Gefördert durch „Demokratie leben!“Das Projekt „Vielfalt im Amt“

Der öffentliche Dienst sollte ein Spiegelbild unserer vielfältigen Gesellschaft sein – und damit als Vorbild für andere Bereiche vorangehen. Doch während dies in vielen Teilen der Wirtschaft längst gelebte Realität ist, finden sich in der Belegschaft der öffentlichen Verwaltung auch im Jahr 2021 nicht alle Gruppen gleichermaßen wieder. Wie der Diversität und Chancengleichheit Survey 2019 zeigt, sind Personen mit Migrationshintergrund gerade im gehobenen und höheren Dienst deutlich unterrepräsentiert.

Mit dem Projekt Vielfalt im Amt (ViA) möchte die Deutschlandstiftung Integration gemeinsam mit kooperierenden Bundesministerien Impulse dafür setzen, wie die interkulturelle Öffnung der öffentlichen Verwaltung besser gelingen kann. Um dieses Ziel zu erreichen, arbeiten wir mit mehreren Bundesministerien zusammen, die Hospitationsmöglichkeiten bei sich und in ihren nachgeordneten Stellen anbieten. Daneben sind die wissenschaftliche Begleitung und eine strategische Kommunikationsarbeit zentrale Bausteine des Projektes.

Unterstützt wird ViA bisher vom Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU). Darüber hinaus steht die DSI mit weiteren Bundesministerien und nachgeordneten Stellen im Gespräch, die eine Teilnahme an ViA beabsichtigen.

ViA wird für die Projektlaufzeit von fünf Jahren im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ durch das Bundesfamilienministerium gefördert. 

Der statistische Hintergrund

Seit 2012 verfolgt der Nationale Aktionsplan Integration das Ziel, die interkulturelle Öffnung der öffentlichen Verwaltung voranzubringen. Doch ist eine vielfältige Belegschaft nach wie vor keine Selbstverständlichkeit. Wie die Beschäftigtenbefragung der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung aus dem Jahr 2020 zeigt, haben lediglich 12 Prozent der Mitarbeitenden in der Bundesverwaltung einen sogenannten Migrationshintergrund. Dabei liegt der Anteil an der Gesamtbevölkerung in Deutschland bei rund einem Viertel. Bei den Beschäftigten in der Privatwirtschaft sind es sogar über 26 Prozent.

Unterschiede zwischen Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund und ohne lassen sich besonders bei der Art der Beschäftigung erkennen. So sind sie im gehobenen Dienst deutlich unterrepräsentierter als in einfacheren Laufbahnen, im Vergleich häufiger befristet angestellt, öfter überqualifiziert, seltener verbeamtet und profitieren weniger häufig von Beförderungen.1

In Anbetracht dieser Zahlen und im Hinblick auf die Schätzung, dass bis zum Jahr 2036 ca. 50 Prozent der aktuell in öffentlichen Verwaltungen Beschäftigten in den Ruhestand eintreten werden,2 zeigt sich der Handlungsbedarf auf Seiten des öffentlichen Dienstes: Im Wettbewerb um die besten Köpfe ist die öffentliche Verwaltung darauf angewiesen, die bislang unterrepräsentierte Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund gezielter anzusprechen.

Wir stehen im Wettbewerb um die besten Köpfe mit dem Rest der Welt. Und in Deutschland haben wir bereits Talente mit Migrationsbiografien. Wir müssen diese erkennen und fördern.

Gonca Türkeli-Dehnert

Geschäftsführerin der Deutschlandstiftung Integration

Projektinhalte – Bausteine für mehr Vielfalt im öffentlichen Dienst

Um Impulse für die interkulturelle Öffnung des öffentlichen Dienstes zu erarbeiten, setzt ViA auf drei wesentliche Bausteine.

Im Zentrum des Projektes stehen dreimonatige Hospitationsmöglichkeiten für Studierende sowie Master- und Bachelorabsolventinnen und -absolventen mit Migrationshintergrund. In diesem Rahmen erhalten die Teilnehmenden – ähnlich wie bei einem Praktikum – einen Einblick in den Arbeitsalltag der obersten Bundesbehörden und sammeln praxisnahe Erfahrungen. Die Hospitation findet an vier Tagen pro Woche statt.

An einem Wochentag sind die Teilnehmenden aktiv in die wissenschaftliche Begleitung des Projektes eingebunden. Diese bildet den zweiten Schwerpunkt von ViA und hat das Ziel, Antworten auf Fragen zu Zugangshürden, der Attraktivität der öffentlichen Verwaltung und einer besseren Erreichbarkeit junger Menschen mit Migrationshintergrund zu liefern. Um mit der empirischen Erhebung sowohl die Perspektive der jungen Teilnehmenden wie auch die der Entscheidungstragenden in den Bundesministerien abzubilden, hat das Deutsche Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (DeZIM) ein multimethodisches Forschungsdesign entworfen.

Die empirischen Erkenntnisse bilden die Grundlage für den dritten Baustein. Praxisnahe Vorschläge sollen Impulse dafür liefern, wie die interkulturelle Öffnung der öffentlichen Verwaltung besser gelingen kann. Diese werden ab Ende der Projektlaufzeit auch weiteren Behörden und interessierten Personen zur Verfügung gestellt.

Alle Projektaktivitäten von ViA werden von einer vielseitigen Kommunikationsstrategie unterstützt. So soll die öffentliche Verwaltung als attraktiver Arbeitgeber zugänglich gemacht werden und auch die Projektteilnehmenden als Multiplikatoren für ihr direktes Umfeld und ihre Community einbinden. Den Höhepunkt der Kommunikationsarbeit wird eine Social Media Kampagne ab der zweiten Hälfte der Projektlaufzeit bilden.

Wir freuen uns, mit dieser Kooperation die Idee von mehr Vielfalt in den Ministerien weiterzubringen. Egal, ob in Uniform oder in Zivil, wir brauchen die mit den besten Fähigkeiten und Leistungen, aber auch die mit unterschiedlichen Erfahrungen, Ideen und Perspektiven. Am Ende stärkt Vielfalt die Einsatzbereitschaft.

Dr. Peter Tauber

Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium der Verteidigung

Hospitationsmöglichkeiten in Bundesministerien und nachgeordneten Stellen

Im Rahmen von ViA bietet die Deutschlandstiftung Integration ab Herbst 2021 mehrere dreimonatige Hospitationsmöglichkeiten in kooperierenden Bundesministerien an. Das Angebot an Hospitationsplätzen wird fortlaufend erweitert und ist hier zu finden.

Dafür suchen wir talentierte und motivierte junge Menschen mit Migrationsbiografie, die die Gesellschaft aktiv mitgestalten möchten.

Neben der Hospitationsmöglichkeit in den Bundesministerien sind die Teilnehmenden des ViA-Projekts zu 20 Prozent (einen Tag pro Woche) in einen wissenschaftlichen Evaluationsprozess eingebunden. Mithilfe von u.a. Fokusgruppen und Seminaren sollen Erkenntnisse gesammelt werden, die dazu beitragen, nachhaltige Veränderungsprozesse anzustoßen und praxisnahe Handlungsempfehlungen für die Bundesministerien zu entwerfen.

Teilnahmevoraussetzungen für eine ViA-Hospitation

Für eine ViA-Hospitation können sich alle bewerben, die über eigene oder familiäre Migrationserfahrungen verfügen und die die formalen Kriterien für eine Laufbahn im gehobenen oder höheren Dienst besitzen bzw. diese nach ihrem angestrebten Abschluss erfüllen werden. Für den gehobenen Dienst bedeutet das konkret, dass Sie sich im letzten Abschnitt Ihres Bachelorstudiums oder eines vergleichbaren Abschlusses befinden oder dieses bereits abgeschlossen haben. Die Voraussetzung für den höheren Dienst ist ein Master- oder gleichwertiges Studium.

Zudem werden für das Projekt Personen gesucht, die gesellschaftlich engagiert sind und Freude daran haben, kollektive Prozesse aktiv mitzugestalten.

Für die einzelnen Hospitationen können darüber hinaus spezifische Zusatzvoraussetzungen gelten, die Sie direkt in der Einzelausschreibungen finden. 

Bewerbung und Auswahlprozess

Die Bewerbung für eine ViA-Hospitation ist für alle möglich, die die Teilnahmevoraussetzungen erfüllen. Dabei erfolgt die Bewerbung explizit für eine der ausgeschriebenen Hospitationsmöglichkeiten bis zum 4. Juli über das Online-Formular.

Der Bewerbungsprozess erfolgt in zwei Schritten:

1. Schriftliche Bewerbung über das Online-Formular
Über das Online-Bewerbungsformular können Interessierte ihre schriftlichen Bewerbungsunterlagen, bestehend aus Anschreiben (max. 3000 Zeichen inkl. Leerzeichen), Lebenslauf und relevanten Zeugnissen einreichen. Bewerbungsschluss ist der 4. Juli.

2. Persönliches Auswahlgespräch
Nach Bewerbungsschluss werden alle Unterlagen sorgfältig von der DSI und ggf. Vertretenden des jeweiligen Bundesministeriums gesichtet. Geeignete Kandidatinne und Kandidaten erhalten im zweiten Schritt eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch – je nach Infektionsgeschehen findet dieses in der DSI Geschäftsstelle in Berlin oder als Online-Meeting statt. Falls das Gespräch vor Ort durchgeführt wird, übernehmen wir selbstverständlich die anfallenden Reisekosten. Die Gespräche sind in der Zeit von 19. Juli - 29. August 2021 geplant. Nähere Informationen erhalten Sie zu gegebener Zeit mit Ihrer Einladung.

Der Hospitationsbeginn ist einheitlich im Oktober/November 2021. Eine Verschiebung ist aufgrund des wöchentlich stattfindenden Rahmenprogramms der wissenschaftlichen Begleitung nicht möglich.

Alles Wichtige auf einen Blick

Die ViA-Hospitation bietet Ihnen

  • vielseitige Einblicke in die Tätigkeiten und Arbeitsabläufe in Bundesministerien und nachgeordneten Stellen
  • einen Überblick über Einstiegs- und Karrieremöglichkeiten im öffentlichen Dienst
  • vielfältige Einsatzbereiche
  • eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen Diversity und kulturelle Öffnung der öffentlichen Verwaltung
  • ein umfangreiches Angebot an Seminaren und Fokusgruppenworkshops, im Rahmen dessen Sie sich über Ihre Erfahrungen austauschen und an zukünftigen Entscheidungsprozessen mitwirken können
  • eine am Mindestlohn angelehnte Vergütung

Voraussetzungen für eine Bewerbung

  • eigene oder familiäre Migrationserfahrungen
  • soziales oder sonstiges Engagement und Interesse, gesellschaftliche Prozesse aktiv mitzugestalten
  • hospitationsspezifische weitere Anforderungen

Online-Bewerbung und Auswahlprozess

Eine Bewerbung für ViA ist ausschließlich über das Online-Bewerbungsformular und bis zum 4. Juli möglich.

  1. Schriftliche Bewerbung:
    Ihre aussagekräftigen Bewerbungsunterlagen mit Motivationsschreiben (max. 3000 Zeichen inkl. Leerzeichen), tabellarischem Lebenslauf und Zeugnissen (höchster Schulabschluss, Bachelor- bzw. Masterabschluss oder aktuelles Transcript of Records, ggf. weitere relevante Zeugnisse und Nachweise) zusammengefasst in einem PDF (max. 10 MB) können Sie über das Bewerbungsformular auf unserer Webseite einreichen. 
  2. Persönliches Auswahlgespräch:
    Nach Ablauf der Bewerbungsfrist werden alle Bewerbungen sorgfältig geprüft. Geeignete Kandidatinnen und Kandidaten werden zu einem persönlichen Auswahlgespräch eingeladen, das je nach infektionsgeschehen in der DSI Geschäftsstelle in Berlin oder als Online-Meeting stattfindet. Die Gespräche sind in der Zeit von 19. Juli - 29. August 2021 geplant. Ggf. anfallende Reisekosten werden von der DSI erstattet.

Bewerbungsfrist und Hospitationsbeginn

Die Onlinebewerbung beginnt am 19. Mai und endet am 4. Juli. Die Auswahlgespräche sind im Zeitraum 19. Juli - 29. August 2021 geplant. Der Beginn der dreimonatigen Hospitationen ist einheitlich im Oktober/November 2021. Zu allen weiteren Terminen werden wir Sie rechtzeitig per Email informieren.


Kontakt:

Für Fragen zu den Hospitationsplätzen und zu ViA steht Ihnen Catharina Dietrich gerne zur Verfügung über via@deutschlandstiftung.net oder telefonisch unter 030 54 70 70 523.

Ausschreibungen

Nachfolgend finden Sie eine Übersicht aller aktuellen Ausschreibungen. Das Angebot an Hospitationsmöglichkeiten wird sukzessive ergänzt.

Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit: verschiedene Referate

Bundesministerium für Bildung und Forschung: verschiedene Referate (u. a. Öffentlichkeitsarbeit, Organisation, Bildung)

Bundesministerium für Arbeit und Soziales: verschiedene Referate

Bundesamt für das Personalmanagement der Bundeswehr, Referatsgruppe II ZA 2, Köln: Psychologischer Dienst in der Personalgewinnung der Bundeswehr

Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleitungen der Bundeswehr, Abteilung Gesetzliche Schutzaufgaben, Bonn: Technischer Umweltschutz in der Bundeswehr am Beispiel Lärmschutz

Zentrum Informationsarbeit der Bundeswehr, Strausberg: Informationsarbeit der Bundeswehr

Luftwaffentruppenkommando, Dienstaufsichtsführender Rechtsberater, Köln: Rechtsberater/Rechtsberaterin und Wehrdisziplinaranwalt /Wehrdisziplinaranwältin


Quellen

1 Laut der Studie "Kulturelle Diversität und Chancengleichheit in der Bundesverwaltung" der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration und des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (Hrsg.) (2020)

 

2 Laut Mikrozensus, Stand 2016.

3 Laut einer Studie der Charta der Vielfalt, Stand 2016.