Gefördert durch „Demokratie leben!“Das Projekt „Vielfalt im Amt“

Die Deutschlandstiftung Integration möchte mit dem Modellprojekt „Vielfalt im Amt – ViA“ neue Strategien zur interkulturellen Öffnung des öffentlichen Dienstes für junge Menschen mit Migrationshintergrund entwickeln. Es soll die Attraktivität öffentlicher Verwaltungen als Arbeitgeber bei der Zielgruppe erhöhen und die Sensibilität für Diversität und Vielfalt bei den Entscheidungstragenden in Personalabteilungen oberster Bundesbehörden stärken.

In Zusammenarbeit mit teilnehmenden Ministerien und nachgeordneten Stellen soll die Brücke zwischen potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern und Entscheidungstragenden geschlagen werden. Langfristig möchte das Projekt die gesellschaftliche Vielfalt Deutschlands auch adäquat in den Bundesbehörden und -ministerien abgebildet sehen.

Das Projekt wird über die gesamte Laufzeit von fünf Jahren von dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert.

Der statistische Hintergrund

Der öffentliche Dienst sollte die Vielfalt und Multiperspektivität der deutschen Gesellschaft spiegeln. Die Zahlen sagen aber immer noch anderes: Die Anzahl von Mitarbeitenden mit Migrationshintergrund in der Bundesverwaltung – insbesondere im gehobenen und höheren Dienst – entspricht nicht dem Bevölkerungsanteil von ca. 25,5 Prozent.1 Während im Bundesamt für Migration und Flüchtlinge fast schon jeder vierte Beschäftigte einen Migrationshintergrund hat, sind es im Bundesministerium für Verteidigung nur 6 Prozent.2

In Anbetracht dieser Zahlen und im Hinblick auf die Schätzung, dass bis zum Jahr 2036 ca. 50 Prozent der aktuell in öffentlichen Verwaltungen Beschäftigten in den Ruhestand eintreten werden,3 besteht Handlungsbedarf auf Seiten des öffentlichen Dienstes: Im Wettbewerb um die besten Köpfe ist die öffentliche Verwaltung darauf angewiesen, die bislang unterrepräsentierte Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund gezielter anzusprechen.

Denn Vielfalt und Diversität unter den Mitarbeitenden wirken sich positiv auf Produktivität und Arbeitsprozesse aus. Diesen Gewinn für Einrichtungen und Unternehmen hat zum Beispiel die Wirtschaft schon längst für sich entdeckt.4

Die Praxis

Das Projekt „Vielfalt im Amt – ViA“ ermöglicht bezahlte Hospitationsplätze von je drei Monaten in teilnehmenden Bundesbehörden und Ministerien. Die Teilnehmenden erhalten so einen Einblick in den Arbeitsalltag der Bundesbehörden und können erste Netzwerke im Bereich der öffentlichen Verwaltung knüpfen. Gleichzeitig werden die Teilnehmenden zu Multiplikatoren, die die Attraktivität des öffentlichen Dienstes in der Zielgruppe steigern sollen.

Die Teilnehmenden sind darüber hinaus in Workshops und Fokusgruppen eingebunden. In diesem Rahmen sollen relevante Aspekte wie Zugangshürden, strukturelle Herausforderungen oder die bessere Erreichbarkeit und Ansprache der jungen Zielgruppe untersucht und wissenschaftlich aufgearbeitet werden.

Anhand der Erkenntnisse, die die Workshops und Fokusgruppen liefern, werden praxisnahe Handlungsempfehlungen sowie Programme zur Weiterentwicklung von Entscheidungstragenden entworfen. Gegenwärtig ist die Deutschlandstiftung im Gespräch mit potenziellen Kooperationspartnern. Die ersten Hospitationsplätze werden voraussichtlich ab der zweiten Jahreshälfte 2020 angeboten. Über den Bewerbungsprozess werden wir zu gegebener Zeit auf unserer Webseite informieren.


Quellen

1 Laut einer Erhebung der Bundeszentrale für politische Bildung, Stand 2018.

2 Laut einer Erhebung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) und des Statistischen Bundesamtes (Destatis) bei 24 Bundesbehörden, Stand 2016.

 

 

3 Laut Mikrozensus, Stand 2016.

4 Laut einer Studie der Charta der Vielfalt, Stand 2016.