Als Journalist schlägt mein Herz vor allem für ausgeruhte Formate und Longreads. Deshalb freue ich mich sehr, als Stipendiat im Reporter-Ressort des SPIEGEL hospitieren zu dürfen. Ich will Geschichten erzählen, die über die bloße Nachricht hinausgehen und in der tagesaktuellen Berichterstattung oft untergehen. Am besten gelingt das mit Features und Reportagen, die genauer hinsehen.
Wie das geht, habe ich an der Deutschen Journalistenschule gelernt. In meiner Redakteursausbildung habe ich Stationen beim Münchner Merkur, dem Bayerischen Rundfunk und DIE ZEIT durchlaufen. Meinem journalistischen Ideal kam ich zum Beispiel in einem Feature (Münchner Merkur) über posttraumatische Belastungsstörungen bei Bundeswehrsoldaten näher. Oder in einer Reportage (DIE ZEIT) über die Kürzung von Sozialleistungen für ukrainische Flüchtlinge. Von den SPIEGEL-Reportern möchte ich lernen, lange Texte dramaturgisch und stilistisch noch besser zu gestalten.
Nachwuchsjournalisten mit Migrationsbiografie rate ich, ihre Identität nicht als Benachteiligung, sondern als Stärke zu begreifen. Dort, wo andere blinde Flecken haben, finden wir relevante Themen und Geschichten. Gleichzeitig sollten Journalisten mit Migrationsbiografie aber nicht nur über Migration berichten müssen – ein Spannungsfeld, das in Redaktionen immer wieder neu ausgehandelt werden muss.